Star Wars: Battlefront – Die große Ernüchterung

Kaum geliefert bekommen, schon liegen die ersten vier Wochen Star Wars: Battlefront hinter mir. Bin auf Rang 28 50 aufgestiegen, habe an 144 Matches teilgenommen, rund 1080 Gegner ausgeschaltet und eine Siegquote von 48% erreicht. Für die Zeit die ich zur Verfügung habe zu spielen ganz ordentlich – denke ich zumindest. Unter der Woche schaffe ich es leider nicht mich regelmäßig den epischen Schlachten anzuschließen, nutzte dafür aber die Ruhe der Feiertage um das nachzuholen und mich noch einmal genauer damit zu befassen.

Dabei stelle ich fest das Battlefront es nicht schafft die nötige Langzeitmotivation zu wecken, die ich mir von dem Spiel erhofft habe. Mehr und Mehr verkommt es zu einem reinen Gelegenheitsspiel, das ich bei Lust und Laune mal für 20 bis 30 Minuten, der Ablenkung halber, einschalte. Zu episch waren die im Vorfeld gezeigten Trailer und zu hoch die Erwartungen, als das man eben jene überhaupt noch erfüllen könnte. Die allgemeine Star Wars Euphorie, angeregt durch Das Erwachen der Macht tat dabei ihr übriges und heizte die Vorfreude in einem Maß an, wie ich sie schon lange nicht mehr für ein Spiel empfunden hatte. Erwartete ich schließlich nicht weniger als das wohl optisch wie atmosphärisch intensivste Spielerlebnis, das je im Star Wars Universum angesiedelt war.

Über die Inszenierung brauche ich dabei gar nicht viele Worte zu verlieren, denn grafisch ist Battlefront absolut bombastisch und die abwechslungsreichen Maps sowie die Soundkulisse tragen zur perfekten Star Wars Atmosphäre bei. Spielerisch fällt es dagegen weit zurück und bewegt sich gefühlt im Mittelfeld aktuell verfügbarer Multiplayer-Shooter. Ich habe versucht in einigen Punkten festzuhalten, warum mich Battlefront nicht so recht überzeugen mag und was ich dabei genau zu bemängeln habe.

Gut gespawnt ist halb gestorben

Als erstes wären dort die absolut idiotischen Spawns. Mit der Zeit weiss man einfach auswendig wo auf der Map die einzelnen Spawnpunkte liegen, das verleitet Spieler natürlich dazu eben in der Nähe dieser Punkte zu warten und die frisch gespawnten Spieler mit einem Kugelhagel zu empfangen. Wer dabei in der Falle sitzt und einen Tod nach dem anderen hinnehmen muss verliert schnell den Spaß – mir geht es jedenfalls so. Bitte EA und DICE, legt hier noch einmal Hand an.

Als nächstes nervt mich die Tatsache, dass kaum jemand wirklich an Missionen teilnimmt und zur Erfüllung der Zielvorgaben beiträgt. Dabei stellen die meisten der unterschiedlichen Spiel-Modi doch gerade Missionen mit vorgegeben Zielen dar. Der Sinn und Zweck hinter Missionen wie Cargo, Drop Zone oder Walker Assault ist es, im Team zu agieren und seine Mitspieler zu unterstützen. Leider sehen die meisten Spieler ihre Aufgabe allerdings darin, wie wild umher zulaufen, dabei in feinster Call-of-Duty-Manier auf alles zu schießen was sich bewegt und somit eine möglichst hohe Kill/Death Ratio zu erreichen. Nur in bestimmten Situationen, wie etwa das gemeinsame auf’s Korn nehmen eines verwundeten Läufers in Walker Assault, bringt die Spieler zusammen und erinnert sie daran, dass man ruhig mal gemeinsam kämpfen könnte. Den eigentlichen Weg zum erreichen eines Sieges, nämlich das aktivieren der Up-Links und deren Verteidigung, interessiert dagegen wieder niemanden. Für Spieler wie mich, die lieber im Team agieren und gerne taktisch spielen, ist das ein echtes Ärgernis.

Wo wir gerade bei Kill/Death Ratio waren – da geht es gleich schon weiter. Irgendwie war es eine fatale Entscheidung, dass jeder Spieler unendlich viele Granaten mit sich trägt. Granate werfen, rund 15 Sekunden warten und schon ist die nächste griffbereit. Der unendliche Vorrat verleitet nur dazu, dass ein Großteil der Spieler wie verrückt damit umher schmeisst um auf gut Glück jemanden zu erwischen. Besonders auf Maps wie wo es den ein oder anderen Gebäudekampf gibt, schießt der Frustpegel vor lauter explodierender Thermaldetonatoren schnell in die Höhe. Was einem da alles um die Ohren fliegt ist echt nicht mehr feierlich.

Wer mag schon individuell sein?

Wenn auch schade aber dafür durchaus verschmerzbar, ist die mangelnde oder generell nicht vorhandene Fähigkeit zur individuellen Anpassung. Klar, ich sehe ein, dass man beim Stormtrooper schnell an seine Grenzen kommen kann. Ich meine, bei einer weißen Panzerung, kann man nicht viel machen außer vielleicht die Insignien ändern. Tatsächlich hätte ich aber gerade sowas ziemlich toll gefunden. Ein Stormtrooper mit ganz persönlicher Verzierung? Sowas wäre doch richtig cool. Dafür darf man dann aus einer Reihe unterschiedlicher Köpfe wählen, ist auch nicht so schlecht, auf Dauer nur etwas langweilig.

Wenigstens ist das schon mehr, als bei den zur Wahl stehenden Waffen, denn hier geht gänzlich gar nichts. Keinerlei Anpassungen, weder optisch noch funktionell. Dabei hört sich ein E-11 Blaster mit angebauten Granatwerfer doch richtig gut an, oder? Wenigstens ein Upgrade Modus hätte doch drin sein können. Warum das so ist? Naja, vielleicht wollte man es sich dadurch einfacher machen das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Waffen auszubalancieren oder sich möglichst nah an die Vorgaben der Star Wars Filme halten. Es bleibt zu hoffen das uns solche Features in einem zukünftigen DLC oder Update erwarten. Die Wahrscheinlichkeit ist aber eher gering.

Mein Fazit: Bin ich zu alt?

Nun gut, das war jetzt eine ganze Menge Frust auf einmal. Natürlich bietet Battlefront ein großartiges Action-Inferno, das die Atmosphäre von Star Wars perfekt wiedergibt und dabei auch viel Freude bereitet. Allein schon das Kommando über einen AT-AT zu übernehmen und mittels Orbital Bombardment eine Schneise in die Reihen des Gegners zu schlagen ist purer Spaß. Wer hat nicht schon als Kind davon geträumt im Cockpit eines Snowspeeders zu sitzen und ein Teil der Schlacht um Hoth zu sein. All das bedient Battlefront vorzüglich, irgendwie war es das dann aber auch schon. Bei EA und DICE reagiert man auf derart Kritik damit, dass man ein Spiel für Einsteiger und den breiten Massenmarkt schaffen wollte. Prinzipiell ist das nicht verwerflich, mir allerdings fehlt die spielerische Tiefe. Vielleicht bin ich aber auch einfach nicht der Typ für solche Shooter oder schlichtweg zu alt um mich mit der Call-of-Duty-Generation um den nächsten Sieg zu prügeln.


Florian

Florian

Designer. Blogger. Sohn. Mein Herz schlägt für Star Wars, Videospiele, Action Toys und gutes Essen.


comments powered by Disqus